Jobkiller Social Media: Wie Online‑Profile Karrieren beeinflussen
Eine einfache Faustregel für Social Media lautet: Teile nichts, was du nicht am nächsten Morgen als Schlagzeile lesen möchtest. Für Menschen auf Jobsuche gilt das doppelt. Denn was online harmlos wirkt, kann im Bewerbungsprozess schnell zum vermeintlichen Jobkiller Social Media werden.
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Partyfotos? Besser vorsichtig sein
Das versteht sich eigentlich von selbst. Wer trotzdem nicht auf solche Posts verzichten möchte, sollte zumindest die erweiterten Privatsphäre‑Einstellungen nutzen. Und wer merkt, dass der eigene digitale Ruf nicht ideal aussieht, hat mehrere Möglichkeiten, ihn zu verbessern.
Digitale Spuren aufräumen
Es gibt zwei Wege:
1. Die mühsame Variante
Alle unvorteilhaften Suchergebnisse unter dem eigenen Namen privat stellen, löschen oder die Löschung beantragen. Wer einen häufigen Namen hat, kann ein Initial ergänzen, um nicht für die Fehltritte von Namensvettern gehalten zu werden.
2. Die drastische Variante
Problematische Online‑Mitgliedschaften beenden und die gewonnene Zeit nutzen, um neue, hochwertige Inhalte aufzubauen. Ein digitaler Neustart kann helfen, aber das Internet vergisst selten. Deshalb lohnt es sich, die «tickenden Zeitbomben» durch positives Engagement weiter zu entschärfen.
Warum dieser Aufwand überhaupt?
Arbeitgeber prüfen heute fast selbstverständlich die Social‑Media‑Profile von Bewerbenden. Ein unvorteilhaftes Auftreten kann schnell zum Karrierekiller werden – und genau hier entsteht der Mythos vom Jobkiller Social Media.
Der Badeanzug als Auslöser
Ein Beispiel aus dem Jahr 2019 zeigt, wie absurd es werden kann. Emily Clow bewarb sich bei einer Firma, die sich selbst als rebellisch und freiheitsliebend beschreibt. Der Name: Kickass Masterminds.
Die Firma verlangte explizit ihre Social‑Media‑Benutzernamen. Kurz darauf entdeckte Clow, dass die HR‑Beauftragte ein Foto von ihrem Instagram‑Profil öffentlich kritisierte – ein harmloses Bild im Badeanzug.
Der Kommentar: sinngemäss
«Mit solchen Inhalten solltest du dich nicht bei einem seriösen Arbeitgeber bewerben.»
Ironisch, denn die Firma selbst postete regelmässig Badebekleidungsfotos, Schimpfwörter und provokante Gesten. Der Shitstorm liess nicht lange auf sich warten. Kickass Masterminds löschte fast alle Social‑Media‑Kanäle, während Clow später neue Jobangebote erhielt. Ein klassischer Fall von: Dieser Schuss ging nach hinten los.
Was lernen wir daraus?
Selbst harmlose Inhalte können kritisch bewertet werden – besonders dann, wenn Algorithmen statt Menschen entscheiden. Wird Künstliche Intelligenz in den Rekrutierungsprozess einbezogen, können Kontexte leicht falsch interpretiert werden, was die Fehlerquote erhöht. Was in dieser Blackbox passiert, bleibt für Bewerbende und Unternehmen gleichermassen undurchsichtig.
[Weiterlesen: Diskriminierende KI – das Problem mit der Blackbox]
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, zeigt online möglichst wenig Freizeitaktivitäten, die missverstanden werden könnten, oder trennt Berufliches und Privates strikt.
Kurz gesagt
Social Media ist kein automatischer Jobkiller.
Aber unbedachte Inhalte können im falschen Moment zum Problem werden.
Mit etwas Pflege, Bewusstsein und digitaler Hygiene bleibt das eigene Profil ein Vorteil – nicht ein Risiko.